Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
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Konjugationstabellen

Beim Aufstellen der Tabellen kam die Frage auf, ob die betonte oder die un­betonte Form des Personalpronomens Verwendung finden soll. Mit Ausnahme der 1. Person Singular betrifft es in der üblichen Tabelle, bei der das Pronomen vor dem Verb steht, die 3. Person und die 1. Person Plural. Hier hat der Autor in der männl. 3. Person Singular und in der 1. Person Plural die betonte Form gewählt, während den anderen Formen der 3. Person das unbetonte Personal­pronomen zukommt. In der 2. Person der üblichen Tabelle steht sowieso das betonte Pronomen vor dem Verb. Doch die verbundenen Formen konjugierter Verben, bei denen das Pronomen dem Verb anhängt, kennen mit Ausnahme der 1. Person Singular nur unbetonte Personalpronomen.

Zur Bildung von Ersatzformen für nicht mehr vorhandene Präterita schwacher Verben im Oberhess. ist das Präteritum <déed> (tat) vonnöten, um mit darauf folgendem Infinitiv betroffener Verben zu umschreiben. In der neuhessischen Stadtsprache besteht diese Möglichkeit nicht, da hier eine entsprechende Form im Indikativ des Präteritums von "tun" fehlt und die vorhandene schriftsprach­liche Form ungenutzt bleibt.

Beide oberhess. Präteritumsformen von "tun" besitzen einen e-Laut als Silben­träger, der auf das Mittelhochdeutsche zurückgeht. Während die Indikativform <déed> (tat) über einen zentrierenden Langdiphthong verfügt, kam es bei der Konjunktivform <déd> (täte) zu keiner Diphthongierung (siehe Seite 8.91).

Ähnlich wie im Englischen hat das zum Hilfsverb gewordene westgermanische Verb im Oberhessischen eine größere Bedeutung als heute in der deutschen Schriftsprache; das Mittelhochdeutsche kannte Umschreibungen mit "tun". Bei einer konditionalen Aussage vertritt der oberhess. Konjunktiv <déd> (täte) die fehlende Form "würde".

Natürlich heißt es <déeds> (tat es) im Indikativ des Präteritums der 3. Person Singular. Bei dieser verbundenen Form fehlt irrtümlich die Endung in der auf­gestellten Konjugationstabelle.

Eine innere Flexion entsteht durch das Auftreten unterschiedlicher Vokale, die sich beim Konjugieren und Deklinieren als betonte Silbenträger im Wortinnern erkennen lassen. In der Schriftsprache zu sehende Unterschiede wurden durch Veränderungen bei den oberhessischen Lauten des gemeingermanischen Verbs <fòen> (fahren) mit <fíed> (fährt) im Präsens der 3. Person Singular weiter­entwickelt; diphthongiertes Präteritum <fouer> (fuhr) besteht noch. Das Neu­hessische kennt hier kein Präteritum.


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