Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
Häi sein ech deheem: www.oberhessisch.com




DIALEKT IN MITTELHESSEN



Startseite / Willkommen

Kurzinformation

Dialekt in Mittelhessen

Oberhessisch als Schriftsprache

Infos und Aktuelles

Kontakt

Zu meiner Person


Seite als PDF
Vorherige Seite | Nächste Seite
Direkt zum Dialektwörterverzeichnis A-Z


Wörterverzeichnis

Rein zufällig fiel die zum Zwecke einer örtlichen Erfassung getroffene Auswahl des mittelhessischen Referenzdialektes auf den Dialekt von Gießen-Rödgen.

Der Ort liegt in dem von der Wieseck durchflossenen Busecker Tal, das als früheres oberhessisches Amt aufgrund strittiger Herrschaftsverhältnisse zeit­weise einen begrenzten Sonderstatus innerhalb der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt besaß. Seit 1971 ist Rödgen ein Stadtteil von Gießen.

Im 19. Jahrhundert hatten die benach­barten Orte Großen-Buseck und Alten-Buseck einen für deutsche Verhältnisse relativ hohen jüdischen Bevölkerungs­anteil. Höchstwahrscheinlich war daher eine Anzahl jiddischer Wörter auch in Rödgen nicht unbekannt. Während die Bezeichnung <kouscher> (koscher) im übertragenen Sinne örtlich vorkommt, tritt der verbreitete Begriff <Schoude> (Einfaltspinsel) regional auf.

Wohl nicht ganz zufällig entspricht der alte kurze i-Laut im oberhess. Einsilber <Jid> (Jude) dem betonten Kurzvokal in der 1. Silbe der Ableitung "Jiddisch" als Bezeichnung für das Judendeutsche aus dem Hoch- und Spätmittelalter.

Von etlichen Französismen der Rhein­bundzeit oder der Zeit davor blieben nur wenige erhalten. Zwei offenkundig direkt dem Französischen entnommene Wörter sind <Afegòed> (Advokat) und <Schampedètsch> (Jean Potage); der zuletzt genannte Begriff bezeichnet die Dreckarbeit, weil für die entsprechende deutsche Figur "Hanswurst" bereits das Wort <Hanjer> gebraucht wird.

Merkwürdigerweise ließ sich in Rödgen kein besonderes Dialektwort für den Begriff "wiederkäuen" ausmachen. Eine analoge Bildung ist zwar möglich, aber eine Verwendung als mittelhess. Verb findet im allgemeinen Sprachgebrauch hier nicht statt.

Der regionale Begriff <Keppche Kaffi> (Tässchen Kaffee) ähnelt dem nieder­ländischen Ausdruck. <Kopp> war ein Trinkgefäß (lat. cuppa), bevor sich das mhd. Wort <kopf> in die Bezeichnung eines Körperteils umwandelte. Deshalb kann das oberhess. Nomen <Keppche> mit betontem halboffenen e-Laut statt "Köpfchen" auch "Tässchen" bedeuten.

<Käppche> mit dem betonten offenen e-Laut steht für "Mützchen" und ist die Verkleinerung des oberhess. Ausdrucks <Kapp> /kab/ (Kappe » Mütze); dieses Nomen kommt lautlich dem englischen Wort <cap> [kæp] nahe (lat. cappa).

Das auf der Titelseite oben aufgeführte Personalpronomen <ech> (ich) wird in Alten-Buseck, Rodheim und in anderen Orten gesprochen. <ach> [aç] mit Ich- Laut wich in Rödgen mittlerweile weit­gehend der hochdeutschen Form.

Für das hessische und fränkische Wort <Mock> (Mutterschwein) lässt sich im Gälischen eine Entsprechung ausfindig machen: <muc> /muk/ mit Kurzvokal. Ansonsten gibt es im oberhess. Wort­schatz keine besonderen Bezüge zum Keltischen.

Beim Namen des Berges <Dünsberg>, der nordwestlich von Gießen liegt, ist die Herkunft des hauptbetonten 1. Teils nicht eindeutig geklärt. Eine Ableitung vom Deutschen und Germanischen gilt als unwahrscheinlich, vor allem die Ent­stehung des Umlautes. Daher wird bei diesem Berg mit den Resten keltischer Besiedlung aus der Antike oft ein Bezug zum Keltischen hergestellt. Tatsächlich heißt der Genitiv von <dún> (Festung) mit Langvokal im Singular des irischen Gälisch <dúin>. Es erscheint allerdings schwer vorstellbar, dass diese auch im Lateinischen benutzte Bezeichnung mit dem späteren Umlaut und dessen zeit­weiliger Entrundung so lange als Name in Hessen bestehen blieb.


  Vorherige Seite | Nächste Seite
Startseite

Impressum | Datenschutzerklärung | webdesign by csle
www.oberhessisch.com weiterempfehlen