Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
Häi sein ech deheem: www.oberhessisch.com




OBERHESSISCH ALS SCHRIFTSPRACHE



Startseite / Willkommen

Kurzinformation

Dialekt in Mittelhessen

Oberhessisch als Schriftsprache

Infos und Aktuelles

Kontakt

Zu meiner Person


Seite als PDF
Vorherige Seite | Nächste Seite
Direkt zum Dialektwörterverzeichnis A-Z


Verschriftung

Wissenschaftliche Arbeiten aus der Zeit um 1927 (Wetterfelder Wörterbuch im 20. Gießener Beitrag zur dt. Philologie) sowie von 1973 und 1980 (Dt. Dialekt­geografie Marburg) weisen nach, dass im Zentralhessischen kurze und lange Doppellaute auftreten. Das sind starke steigende Diphthonge mit unsilbischem i- oder u-Laut als unbetontem 2. Teil, aber auch zentrierende Diphthonge mit unsilbischem Schwa-Laut. Quantitative Unterschiede bei diesen Doppellauten müssen in der Dialektschreibung laut­schriftlich wiedergegeben werden.

Da die im zentralhess. Großdialekt vor­kommenden Diphthonge akustisch den englischen ähneln, erscheinen diese in der lautschriftnahen Dialektschreibung. Dafür eignet sich nur eine phonetisch orientierte schriftliche Darstellung, die mit dem Schreibsystem der deutschen Schriftsprache einhergeht.

Bereits vor einem Jahrhundert erfolgte die Eindeutschung der zwei englischen Wörter "cakes" und "cokes". Jeweils in der 1. Silbe zu sprechende Doppellaute konnten nicht bestehen bleiben, da sie in der deutschen Schriftsprache fehlen. Hätten oberhessische Diphthonge Ver­wendung gefunden, wäre die damalige Übernahme lautlich korrekt geworden: <Käiks> (Keks), <Kouks> (Koks).

Die zentrierenden Diphthonge können im Bairischen 3 unterschiedliche Vokal­quantitäten besitzen: vokalische Länge aus langem und kurzem Laut, 2 kurze Laute als vokalische Länge, vokalische Kürze aus 2 Lauten. Sichtbar wird dies durch 3 quantitative Möglichkeiten zur Aussprache des Wortes für "schießen": <schíesn>, <schiesn>, <schïessn>.

Mancherorts kommt anstelle von <íe> der nach einer Absenkung des i-Lautes entstandene lange bairische Diphthong <ée> vor: <Wéena> (Wiener).

Ein Festhalten an Schmellers Definition der zentrierenden Diphthonge mit dem a-Laut an unsilbischer 2. Stelle in neu­artigen Sprachatlanten erweist sich als verhängnisvoll; die Mundartschreibung "ea, ia, oa, ua" wird beim praktischen Anwenden sanktioniert, obwohl solche Schreibweisen deutschen Rechtschreib­gewohnheiten zuwiderlaufen.

Bei der Verschmelzung des Verschluss­lautes [b] mit dem Nasenlaut [n] blieb ein Glottalstopp vor dem entstandenen [m] im Bairischen als Rest der Silben­grenze ursprünglich zweisilbiger Wörter übrig: /le:'m/ (leben). Diese örtlich an­zutreffende lautliche Besonderheit fehlt im vergleichbaren hochdeutschen Wort /le:m/ (Lehm). Auf Seite 8.89 befinden sich Angaben zum hess. Glottalstopp.

Während das Oberhess. keine Synkope kennt, können aber im Neuhessischen einzelne assimilierte Formen auftreten, bei denen eine Verschmelzung benach­barter Konsonanten stattfand: <Àmd> (Abend), <hamme> (haben wir). Die letzte Wortbildung ist nur möglich, da das unbetonte Personalpronomen neu­hessisch <me> (wir) lautet.


  Vorherige Seite | Nächste Seite
Startseite

Impressum | Datenschutzerklärung | webdesign by csle
www.oberhessisch.com weiterempfehlen