Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
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Verschriftung

Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung enthält auch die Laut- Buchstaben-Zuordnungen. Diese alten Grundregeln der Schriftsprache wurden im Zuge der letzten Rechtschreibreform wieder eingeführt, nachdem sie in der westdeutschen Bundesrepublik schein­bar verloren gegangen waren.

Zu den ersten Änderungswünschen der letzten Rechtschreibreform gehörte die Forderung, auch die übrigen nicht als <ei> und <eu> geschriebenen Doppel­laute /ai/ und /oy/ der archaisierenden Schreibweise anzupassen. Demzufolge würde der Kaiser zum "Keiser" werden, der Stamm der Baiern hieße "Beiern". Das entspricht einer totalen Trennung von Schreibung und Aussprache.

In Internationaler Lautschrift stellt der dänisch-norwegische Buchstabe ø den geschlossenen ö-Laut dar; der auch im deutschen Alphabet vorhandene Buch­stabe y ist das internationale Zeichen für den geschlossenen ü-Laut.

Wie im Mittelhochdeutschen bezeichnet die Schreibweise <ie> im schriftlichen Alemannisch der Schweiz immer einen zentrierenden Diphthong, sofern keine 2 Einzellaute wiedergegeben werden.

Vor- oder Nachschläge des Halbvokals [j] gibt es vor allem in den slawischen Sprachen, aber auch in den keltischen und in den germanischen. Palatalisierte Konsonanten entstehen durch das Ein­wirken einer solchen Jotierung auf den betroffenen Laut. Auf Vokale wirkt sich ein davor stehendes [j] scheinbar nicht verändernd aus. Trotzdem taucht beim Schreiben immer das Problem auf, ob derartige meist schwer wahrnehmbare Vor- und Nachschläge als diakritisches Zeichen oder als Buchstabe dargestellt werden sollen; entweder kennzeichnen sie den davor stehenden Konsonanten oder gehen eine Verbindung mit dem nachfolgenden Vokal ein.

Untersuchungen in den Fünfzigerjahren förderten zu Tage, dass im Bereich des oberhessischen Hinterlandes zwischen Dill und Eder (Altkreis Biedenkopf) ver­schiedenartige Halbvokale vorkommen können. In einem Teilgebiet wurde ein sog. Triphthong ermittelt, der aus einer Vokalverbindung besteht; dieses /iou/ ist in Wirklichkeit ein starker Diphthong mit i-Vorschlag. Der Öffnungsgrad des silbischen o-Lautes dürfte schwanken: <Briourer> (Bruder), <Fious> (Fuß). Andere Ortsdialekte brachten ein /iau/ hervor: <liaud> (laut). Die betroffenen Doppellaute stammen aus unterschied­lichen Diphthongierungen.

Beispiele für die dargestellte Jotierung in german. Sprachen sind das dänische Wort <bjerg> (Berg) und der friesische Ortsname der westfriesischen Provinz­hauptstadt <Ljouwert> (Leeuwarden). Doch in oberhess. Ortsdialekten kommt ein i-Nachschlag hinter kurzen Vokalen vor. Dieser im Hinterland und im alten Dillkreis nachgewiesene Halbvokal darf als ungewöhnlich gelten, weil er wegen der vokalischen Kürze keinen starken Diphthong bilden kann, aber doch wie eine Jotierung auf den Vokal einwirkt: <Bajcker> (Bäcker), <Bojck> (Böcke), <trajnke> (tränken). Offenbar erfolgte keine Verschmelzung der Umlaute.

Wenn ein palatalisierter Konsonant vor einem weiteren Konsonanten steht, ist die Jotierung nicht wahrnehmbar. Bei einem Kurzvokal in geschlossener Silbe dürfte ein Wahrnehmen des besonders kurzen halbvokalischen i-Nachschlages schwerfallen.

Trotz des erkannten Halbvokals, der als i-Nachschlag hinter Kurzvokalen steht, ist nicht auszuschließen, dass es in dem betroffenen Teilgebiet nordwestlich von Gladenbach palatalisierte Konsonanten anlautend vor Vokal gibt.

Mittelhess. Laienschreiber setzen öfters ein zusätzliches j als Buchstabe hinter den jeweiligen Doppellaut der Dialekt­wörter <Moied> (Morgen) und <zäie> (ziehen). Das ist nicht nachvollziehbar, weil es einer Dehnung des unsilbischen i-Lautes gleichkäme, der unbetont den 2. Teil des starken Diphthongs bildet.

Ebenso wenig nachvollziehbar erscheint die heute übliche Umschrift russischer Namen, wenn ein unbetonter silbischer i-Laut am Wortende steht: "Anatoliy", "Polskyy". Eigentlich sollte es sich hier um eine Transkription in die deutsche Schriftsprache handeln, nicht aber um eine Transliteration, bei der eine Rück­übertragung von der lateinischen in die cyrillische Schrift mit Hilfe zusätzlicher Zeichen buchstabengetreu möglich ist.


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