Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
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Aktuelle Situation

Literaturunterricht beherrscht das Fach Deutsch in der gymnasialen Oberstufe. Durch diese besondere Bedeutung der literarischen Interpretationslehre rückt das Arbeiten mit Sachtexten zu sehr in den Hintergrund. Auch ist die Existenz der Aussprachenorm wenig bekannt; in darstellerischen Fächern findet sie aus­reichend Beachtung.

Bei der öffentlich geführten Diskussion über die letzte Rechtschreibreform kam die gesprochene Sprache nicht vor, als ob es keinerlei Normen zur Aussprache gäbe. Trotz der relativ genauen schrift­lichen Aufzeichnung der gesprochenen Laute war und ist die Schreibung der deutschen Schriftsprache keine Laut­schrift, weil die Quantitätsverhältnisse der Vokale nicht ausreichend zur Dar­stellung gelangen. Erkennbar wird das erst bei einem Vergleich der deutschen Schreibweisen mit der in Aussprache­wörterbüchern erfolgten Wiedergabe in Internationaler Lautschrift.

Wer deutsche Dialekte fachgerecht in Schriftform aufzeichnen will, muss das Schreibsystem der deutschen Schrift­sprache kennen. Das ergründet man in Aussprachewörterbüchern, in denen die deutsche Schriftsprache lautschriftlich erscheint. Ein Dialekt ist dokumentiert, wenn er nach durchgeführter Definition der Laute in Internationaler Lautschrift verfügbar und dadurch in authentischer Sprechweise reproduzierbar wird.

Mundart-Aktivisten halten zu oft an der Laienschreibung des 19. Jahrhunderts fest. Anstatt ein lautschriftnahes Ver­fahren beim Verschriften gesprochener Dialekte zu verwenden, steht die vor­handene und neu gestaltete Mundart-Literatur im Vordergrund. Nicht die als ungeeignet geltenden veralteten Laien­schreibungen der Heimatkundler sollen erhalten bleiben, sondern die mündlich überlieferten alten Grundmundarten in authentischer Sprechweise.

Frankfurter Mundart-Autoren schrieben im 19. Jahrhundert Texte und Gedichte anhand ortsüblicher Sprechweisen. Im Gegensatz zu ländlichen Basisdialekten ist für eine volkstümliche Schreibung des Neuhessischen der Kernstadt kein erweitertes Schreibverfahren nötig, da dort die zentrierenden Diphthonge aus Vokalbrüchen sowie die sog. gestürzten Diphthonge nicht auftreten.

Durch das weithin sichtbare Fehlen der mündlichen Weitergabe gesprochener Mundarten auch in anderen deutschen Sprachlandschaften kommt die übliche Laienschreibung der Mundart-Literatur neu zur Geltung. Dialektologen halten sich meistens zurück, wenn es um den aktiven regionalsprachlichen Unterricht geht. Die traditionelle Laienschreibung ist eben keine konsistente Lautschrift.

Das in der Welt führende Englisch kann sich eine altertümliche Orthografie mit Widersprüchen leisten. Kleine Sprachen und auch die deutschen Basisdialekte verschlechtern ihre Möglichkeiten des Fortbestehens, weil sie an untauglichen Schreibweisen ihrer traditionellen alten schriftlichen Wiedergabe voller innerer Widersprüche festhalten. Eine fachlich verbesserte lautschriftnahe Schreibung sollte die veralteten Schreibweisen der gefährdeten Sprachformen ersetzen.

Angestammte Grundmundarten lassen sich pflegen und bewahren, wenn Platt wissenschaftlich definiert, fachgerecht in Dialektschreibung aufgezeichnet und mithilfe der Internationalen Lautschrift authentisch dokumentiert wird.


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