Bernd Strauch | Ergänztes und neu sortiertes Dialektwörterbuch
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Konsonantenschwächung

Sprachgeschichtlich spielten die harten p, t, k und die weichen b, d, g immer eine große Rolle. Überliefert sind Buch­staben, denen die gesprochenen Laute zugeordnet werden müssen. Die harten Verschlusslaute gelten als stimmlos, die weichen als stimmhaft, weil sie einen Stimmton besitzen. Weiche stimmlose Zwischenformen lassen sich ebenfalls nur mit den zur Verfügung stehenden Buchstaben schriftlich wiedergeben.

Zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert n. Chr. fand die zweite Lautverschiebung der Konsonanten statt, die seit dieser Epoche das Hochdeutsche vom Nieder­deutschen und auch von den anderen germanischen Sprachen trennt. Unter bestimmten Bedingungen ihrer laut­lichen Umgebung wandelten sich die Verschlusslaute p, t, k in die Reibe- laute f, [s], ch um. Erfolgte dies nicht, entstanden bei anderer Umgebung die Lautverbindungen pf, tz [ts], kch; aus einem Verschlusslaut und einem Reibe- laut bestehen derartige Affrikaten, bei denen es sich um eng ausgesprochene Konsonanten handelt.

Mit Hilfe des Durchführungsgrades der Lautverschiebung lässt sich der hoch­deutsche Sprachraum in den ober- und mitteldeutschen zerlegen. Während die Affrikata /kch/ auf das Alemannische und Bairische begrenzt ist, kommt /ts/ überall im hochdeutschen Sprachraum vor. Das Westmitteldeutsche in Hessen und im Rheinland kennt kein /pf/; dort lautet der Begriff für "Apfel" <Appel>. Auch heißt es <wat> (was) im Mosel­fränkischen sowie <Dorp> (Dorf) im Ripuarischen des Rheinlandes. Als Ab­grenzung zum Niederdeutschen dienen die Linie <ich/ick> sowie die im Rhein­land und bei Berlin davon abweichende Linie <machen/maken>.

Bei sp und st blieben die Verschluss­laute unverändert. Erst als <sch> aus /sk/ im Mittelhochdeutschen entstand, kam es zur Rundung des s-Lautes, der sich vom niederdeutschen [s] deutlich unterscheidet.

Schon im Althochdeutschen begann die Verhärtung weicher b, d, g durch Um­wandlung in harte p, t, k mitsamt der Auslautverhärtung, die im Mittelhoch­deutschen ihren Höhepunkt erreichte. Da die neuhochdeutsche Schreibweise die harten p, t, k am Wortende wieder teilweise zurücknahm, kann daraus ein Problem bei der Aussprache entstehen. Die Siebs’sche Norm hält nach wie vor an der Auslautverhärtung fest.

Die binnenhochdeutsche Konsonanten­schwächung wird von mittelhessischen Laienschreibern wahrgenommen. Beim fast vollständigen Erweichen von /t/ zu /d/ wechseln sie daher alle betroffenen Buchstaben aus, wodurch ein skurriles Schriftbild entsteht. Laut Aussprache­norm wäre das am Wortende stehende /d/ von /doud/ (tut) und /gid/ (geht) stimmlos, da es der Auslautverhärtung unterliegt. Von einer Verhärtung kann aber nicht die Rede sein, weil hier eine Erweichung vorliegt. Folglich ist /d/ im absoluten Auslaut weich und stimmlos.

Von der geforderten Auslautverhärtung bleibt die Stimmlosigkeit im absoluten Auslaut am Wortende übrig. In dieser Position sind alle zu b, d, g erweichten Verschlusslaute (Plosive) stimmlos. Für die anderen Positionen gilt dies eben­falls in Mittel- und Südhessen, weil alle weichen und erweichten Plosive keinen Stimmton besitzen.

Konsonantenschwächung und Auslaut­verhärtung lassen sich mithilfe weicher stimmloser Zwischenformen annähern. Beim Erfassen tatsächlich gesprochener Verschlusslaute ist die Frage nach dem Stimmton vom Gegensatz Fortis/Lenis (hart/weich) zu trennen.


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